Übersteuern

Fahrdynamik-Mercedes-C-Klasse-im-Drift-ATP-Papenburg-HockenheimringDie Mercedes C-Klasse schießt aus der Opel-Kurve und lenkt etwas zackiger in die Kurve auf die Start-Ziel-Gerade des Hockenheimrings. Das Heck der mit einem Bilstein-Fahrwerk ausgerüstete Limousine bricht sanft aus, das Manöver gipfelt bei regennasser Strecke in einem sahnigen Drift. Der Fahrer macht sich die Übersteuertendenz des heckgetriebenen Autos und die geringe Haftreibung der nassen Rennstrecke zunutze. Doch was passiert beim Übersteuern genau? Wie kann es verhindert oder gar genutzt werden?

Schräglaufwinkel

Bei übersteuernden Fahrzeugen sind die Schräglaufwinkel hinten größer als vorne

Was ist Übersteuern?

„Übersteuern“ bezeichnet ein bestimmtes Eigenlenkverhalten eines Autos. Fahrzeuge können entweder ein untersteuerndes, neutrales oder übersteuerndes Eigenlenkverhalten aufweisen. Vereinfacht gesagt, drängt das Heck von übersteuernden Fahrzeugen bei Kurvenfahrten nach außen. Der gefahrene Kurvenradius wird also kleiner.

Physikalisch genauer gesagt, kann Übersteuern durch die verschiedenen Schräglaufwinkel (der Schräglaufwinkel bezeichnet den Winkel zwischen Radmittelebene und der tatsächlichen Bewegungsrichtung) beschrieben werden: bei übersteuernden Fahrzeugen sind die Schräglaufwinkel  hinten größer als vorne.

Wie wird das Eigenlenk- und Übersteuerverhalten eines Fahrzeugs beeinflusst?

Das Eigenlenkverhalten eines Fahrzeugs wird von mehreren Größen beeinflusst. Insbesondere die Achslasten in Verbindung mit den Schwerpunktabständen beeinflussen die Eigenlenktendenz eines Automobils. Mit zunehmender Hecklastigkeit nimmt die Übersteuertendenz zu. Ein Auto mit Heckmotor, dazu noch mit kurzem Abstand zwischen Hinterachse und Schwerpunkt, übersteuert theoretisch also tendenziell relativ schnell.

Außerdem wird die Über- oder Untersteuertendenz von der Antriebsart des Fahrzeugs beeinflusst. Bei angetriebenen Achsen vergrößern sich die Schräglaufwinkel aufgrund der zusätzlichen, überlagernden Antriebskraft. Bei Hecktrieblern hat das zur Folge, dass sie Gasgeben in einer Kurve übersteuern, während frontgetriebene Fahrzeuge beim Gasgeben in Kurven stärker untersteuern.

Wie kann Übersteuern provoziert werden?

Grundsätzlich übersteuernd ausgelegte Autos können in den Drift gezwungen werden. Dazu muss die Kraft, mit der das Heck nach außen drängt, die von den Reifen aufgebrachte Seitenführungskraft überlagern. Je niedriger der Grip der Reifen, desto eher übersteuert das Fahrzeug.

Die wohl einfachste Möglichkeit, Übersteuern gezielt auszulösen, beschreibt das sogenannte Leistungsübersteuern. Hier kommt es bei heckgetriebenen Fahrzeugen darauf an, durch die an den Reifen überlagernde Antriebskraft ein Übersteuern einzuleiten. Grundsätzlich gilt: je stärker die Leistung und je niedriger die Haftung der Reifen, desto eher übersteuert das Fahrzeug.

Eine andere Möglichkeit, Übersteuern – sowohl bei heck- als auch frontgetriebenen Fahrzeugen – zu provozieren, besteht darin, bei einer Kurvenfahrt die Handbremse zu ziehen. Auf diese Weise blockieren die Räder der Hinterachse, die Seitenführung reißt urplötzlich ab, das Heck bricht aus.

Wie kann Übersteuern vermieden werden?

to be continued

[Bilder: Schräglaufwinkel von Stefan-Xp, unter GNU Free Documentation Lizenz, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported-Lizenz]